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Wappen der Gemeinde Taufkirchen im Landkreis München
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Rede des 1. Bürgermeisters Dr. Jörg Pötke zum Neujahrsempfang 2012

Liebe Festgäste,

                      Taufkirchen hat Identität 

Was kennzeichnet uns? 

Was Sie kennzeichnet, liebe Gäste, habe ich bereits in der Begrüßung zum Ausdruck gebracht. Das ist ungeheuer viel. Es ist Ihr Bestreben, unwahrscheinlich viel zu geben, ohne etwas zu nehmen. Keiner schaut auf einen Stundenlohn, keiner macht seine Leistung abhängig von einer Gegenleistung. Sie sehen den Gegenwert an anderer Stelle. Sie engagieren sich, weil Sie den Wert im Engagement selbst sehen. Weil Sie gerne Verantwortung übernehmen, weil Sie gerne zuverlässig sind und sich einfach freuen, Freude zu bereiten. 

Es gibt über 1000 Ehrenamtliche in Taufkirchen, die wir kennen und bestimmt noch einmal so viele, die wir nicht kennen, weil sie nirgends organisiert und daher schwierig ausfindig zu machen sind. Ich bitte Sie daher, falls Sie jemanden wissen, geben Sie uns einen Hinweis. Denn ich habe einen jährlichen Ehrenamtlichen-Empfang ins Leben gerufen, zu dem wir nach und nach alle einladen, um ihnen gegenüber den Dank und die Anerkennung der Gemeinde zum Ausdruck zu bringen. Und dabei möchte ich niemanden übersehen. Denn ohne die Aktiven funktioniert das vielschichtige Netzwerk inmitten des Hachinger Tales nicht.  

Die Neujahrsempfänge konzentrieren sich auf Sie, liebe Gäste, also auf diejenigen, die dieses Netzwerk strukturieren, pflegen und es neuen Erfordernissen laufend anpassen. Sie erspüren mögliche Lücken und wissen, wo man es enger knüpfen muss und wo es locker bleiben kann. Sie sorgen für individuelle Verzahnungen, Sie schaffen Identität, Sie prägen den wohl wesentlichsten Pfeiler, der unsere Gemeinde lebenswert und einmalig macht. 

Dieser soziale Fingerabdruck ist besonders in Taufkirchen wichtig. Denn wir haben kaum natürlich gewachsene Generationenverzahnungen. Die zügige Verzehnfachung unserer Einwohner vor ca. 40 Jahren wird sich noch lange auswirken. Neun von zehn Taufkirchnern sind hier nicht geboren. Gina und ich gehören dazu. Und viele der hier Geborenen ziehen weg. Unsere beiden Kinder gehören leider auch dazu. Die meisten von Ihnen werden ähnliche Erfahrungen gemacht haben. 

Aber wir - warum sind wir geblieben? Warum sind wir überhaupt hergezogen? 

In einer Viertelstunde in der Stadt, in fünf Minuten in Wald und Feld und vor der Tür die nach Süden führende Autobahn. Wir sind die erste Gemeinde südlich von München mit einem ungehinderten Blick ins Voralpenland und auf die Alpenkette. Vor allem aber lebt Taufkirchens Siedlungsstruktur von der Abwechslung. Zwischen den Ortsteilen liegen großzügige Freiflächen. Erfolgreich haben wir uns gegen einen Siedlungsbrei gewehrt und wir sollten es weiterhin tun. Auf dieser Basis verstehe ich jeden, der herzog und hier bleiben möchte. 

Wir leben in keiner gesichtslosen Vorstadt - Taufkirchen hat Charakter. 

Charakter erwächst aus Traditionen. Natürlich zeigen wir Zuzügler uns ebenfalls traditionsbewusst. Schließlich haben wir dort, wo wir aufgewachsen sind, auch Bewährtes kennengelernt, was bewahrt werden muss. Dazu gehört die Kulturpflege der unterschiedlichen Landstriche, was zum Glück auch bundesweit immer wieder ins Bewusstsein gehoben wird. Beidseits der Donau heißt das „Zwischen Spessart und Karwendel“ und beidseits der Elbe „Binnen und Buten“ (Drinnen und Draußen für die Südlichter). 

Fast einmalig ist Bayern allerdings in Sachen Kleidung. Die Vielfalt der Trachten ist weltberühmt. Deshalb freut es mich sehr, heute Abend so viele im bayerischen „Gwand“ begrüßen zu dürfen. 

Tradition ist auch der Christbaum – natürlich einer mit Nadeln. Gerne hätte ich diese Üblichkeit fortgesetzt, habe mich leider jedoch belehren lassen müssen, dass die Versammlungsstätten-Verordnung (welches Wort!) auch in Taufkirchen gilt. Demnach stellt ein Tannenbaum eine Brandlast dar, die bei Veranstaltungen nicht im Fluchtweg stehen darf. So kamen wir nicht umhin, uns nach einer Alternative umzuschauen und verfielen im Foyer auf drei Birken. Die haben nun wenigstens den Vorteil, länger stehen bleiben zu können. Mit ihrem leuchtenden Netz haben sie unseren heutigen Neujahrs-Empfang vor der Tür in ein schönes Licht getaucht. 

Und hier im Saal? Unsere Blaskapelle ist ohne jeden Zweifel nicht nur ein Ohren-, sondern auch ein Augenschmaus. Aber - ich räume es freimütig ein - bei unserer Faschingsdeko bin ich mir nicht so sicher. Wenigstens ist sie üppig, bunt und alles andere ist zum Glück Geschmackssache.

Mutig war ich auch mit der Hallo-Initiative im letzten Sommer. Obschon er eine riesige Resonanz fand nicht nur im Ort, sondern in allen Medien von Nordsee bis Mittelmeer, habe ich mit dem Anstecker auch herbe Kritik einstecken müssen. „Hallo, ja wo samma denn!“ – schallte es mir stellenweise entgegen. Die meisten gaben sich mit der Erklärung zufrieden, dass ein „Grüß Gott“ auf dem Button unlesbar gewesen wäre und das Hallo nur als Ansporn gedacht war, zu grüßen – in welcher Form auch immer. Denn eine Gemeinde, in der man sich freundlich begegnet, stiftet Identität. 

Typisch für Taufkirchen ist auch der High-Tech-Bereich jenseits der Autobahn. MBB, Daimler-Chrysler, EADS – er hatte schon viele Namen. Nicht einmal ein Viertel des Areals gehört der lieben Nachbargemeinde und dennoch redet alle Welt vom Technopark Ottobrunn. Und dies selbst bei Unternehmen, die ihren Sitz auf Taufkirchner Flur haben. Wir sind selbstbewusst genug, dies zu ertragen, weil es reicht, es richtig zu wissen. Gleichwohl bin ich dankbar, jüngst bei einer in Süddeutschland beheimateten Zeitung öfter „Taufkirchen“ zu lesen, wenn es um diesen wichtigen Standort geht. Denn dort haben wir Pläne, die weit ins nächste Jahrzehnt hineinreichen. 

Liebe Gäste, wir können stolz sein auf unser Taufkirchen und für dieses Jahr bleibt mir nur zu sagen „Grüß Gott Taufkirchen – Hallo 2012!“

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